Wer entscheidet, was ein Dorf braucht?


Stationäre Dritte Orte sind dauerhaft nutzbare Treffpunkte – beispielsweise Dorfgemeinschaftshäuser, Außenflächen, Spielplätze oder Grillstellen –, die durch neue Ausstattung, digitale Angebote oder veränderte Nutzungskonzepte weiterentwickelt werden.

Das Vorhaben gehört zu LAND L(i)EBEN, dem Smart-City-Projekt des Landkreises Kusel. Für jeden Stationären Dritten Ort stehen bis zu 50.000 Euro zur Verfügung. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Bevölkerung jeder Gemeinde frei über diesen Gesamtbetrag verfügt. Die Gemeinden hatten im Herbst 2025 bereits Projektideen entwickelt. Gleichzeitig gab es bauliche, technische und organisatorische Rahmenbedingungen, die den Spielraum für die Mitentscheidung begrenzten. Beteiligung konnte deshalb nicht überall an derselben Stelle ansetzen.

In einem Bürgerworkshop in Welchweiler sammelten die Teilnehmenden auf einem großen Plan der Fläche zum Beispiel ihre Vorschläge und pinnten sie direkt an die Orte, für die sie gedacht waren. Anschließend konnten alle Anwesenden über einen Stimmzettel ihre Favoriten wählen, gewichtet mit Punkten. Die Stimmen wurden ausgezählt, und daraus ergab sich eine klare Prioritätenliste, die nun die Grundlage für die weiteren Schritte bildet.

In Grumbach wurde zunächst gefragt, was die Menschen vor Ort brauchen und selbst nutzen oder mitgestalten möchten. Über das Café für Jedermann und den anschließenden Feierabendtreff gingen 50 Antworten ein. Genannt wurden unter anderem Filmabende, digitale Angebote und gemeinsames Kochen, die durch die geplanten Beschaffungen ermöglicht werden sollen. 14 Personen erklärten sich zudem bereit, selbst Themennachmittage anzubieten, etwa zu Spielen, Erster Hilfe oder Musik für Kinder.

In Föckelberg erfolgte die Beteiligung nicht über einen typischen Fragebogen oder eine Onlineabstimmung. Ideen entstanden in Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern, zum Beispiel bei der Kerwe-Planung, und wurden dokumentiert, um die Impulse in die Planung der Fläche miteinzubeziehen.

In Relsberg wurde konkret über die Ausstattung des geplanten Dritten Ortes abgestimmt. Zur Wahl standen unter anderem eine Überdachung, Sonnensegel, WLAN-Hotspot, Brettspiele, Videokamera, E-Piano und Kulissenwände. Bereits beschlossen waren ein Laptop und eine Soundanlage.

Auch in Einöllen stand ein Teil des Projekts bereits fest. In einem Workshop am 19. Februar 2026 priorisierten die Teilnehmenden verschiedene Vorschläge für Spiel, Bewegung und Aufenthalt. Anschließend wurde das entwickelte Gesamtpaket online auf der Beteiligungsplattform MITMACHEN vorgestellt und mit 14 Ja-Stimmen einstimmig bestätigt. 

Etwas anders funktionieren die Bürgerbeteiligungen in Hoppstädten und Erdesbach. Dort wurde zum ersten Mal mit einem sogenannten Bürgerbudget gearbeitet. Die Teilnehmenden konnten dabei aus mit Preisen versehenen Optionen eine Kombination innerhalb des verfügbaren Budgets zusammenstellen. Damit ging die Beteiligung über eine reine Wunschliste hinaus und näherte sich einer tatsächlichen Auswahlentscheidung. In Hoppstädten wurde eine Kombination aus Sitzgelegenheiten, Fahrradständer, Tischtennistisch und Spielgeräten ausgewählt. Die Nutzung der Budgetfunktion war zudem in einen Bürgerinformationsabend integriert. Dabei unterstützte der Digitalbeauftragte der Gemeinde insbesondere ältere Bürgerinnen und Bürger bei der Bedienung der Plattform und ermöglichte ihnen so die aktive Teilnahme am digitalen Auswahlprozess. In Erdesbach wurde über Spiel- und Sportgeräte für den Spielplatz am Glan abgestimmt. Ein überdachter Grillplatz, ein Bouleplatz, eine Sitzgruppe mit integriertem Brettspiel und Hochbeete waren bereits eingeplant.

Die Beteiligungsplattform mitmachen-landkreiskusel.de kann auch für andere Projekte und Vorhaben im Landkreis Kusel genutzt werden. Verbandsgemeinden, Ortsgemeinden und Vereine die eine Beteiligung durchführen möchten, können sich dafür gerne an Michelle Stammwitz (michelle.stammwitz@kv-kus.de, Tel. 06381 424 522), Projektkoordinatorin für Partizipation und Teilhabe von LAND L(i)EBEN, wenden. Sie unterstützt bei der Entwicklung der Beteiligung und übernimmt auch die Einrichtung auf der digitalen Beteiligungsplattform MITMACHEN.